von Michael Walther, Glasfasertechniker | 22. Januar 2026
Mitten im Winter erhielten wir einen Notruf.
Ein im Herbst beschädigtes Glasfaserkabel funktionierte noch – aber kaum. Als die Temperaturen sanken und der Boden gefror, begann sich die Signalqualität schnell zu verschlechtern. Wir hatten geplant, das Problem im Frühjahr zu beheben – doch diesmal war Warten keine Option mehr.
Die Herausforderung war einfach und brutal:
Nur ein Rohr verfügbar. Und darin – das beschädigte Kabel.
Also wurde die Entscheidung getroffen: das bestehende 192-Faser-Mikrokabel durch ein neues desselben Typs zu ersetzen – mithilfe von Wasser und doppeltem Floating über eine Strecke von etwa 4 km.
Der Hauptgrund, warum ich mich dieses Mal für Wasser entschieden habe, war die Distanz.
Aus Erfahrung weiß ich, dass die Wahrscheinlichkeit, große Distanzen zu erreichen, deutlich steigt, wenn mit Wasser gefloatet wird – und noch mehr beim doppelten Floating. Bei kalten Bedingungen ist die Reibung höher, die Materialien steifer und die Toleranzen geringer. Wasser gibt einem einfach mehr Kontrolle und größere Reichweite.
Wir rüsteten die Ausrüstung auf und positionierten das vorhandene Kabel sorgfältig im Y-Block, bevor wir den Deckel festzogen. Nachdem alles ausgerichtet und überprüft war, starteten wir die Installation.
Da wir mit doppeltem Floating arbeiteten, fuhren wir mit einem etwas höheren Druck als üblich.
Die ersten 2.000 Meter verliefen reibungslos.
Danach wurde die Bewegung ungleichmäßig und ruckartig – ein klassisches Zeichen dafür, dass etwas nicht ganz stimmt, oft ein Hinweis auf kleine Leckagen irgendwo im System.
Bei 3.000 Metern war das Wasser aufgebraucht. Alle 8.000 Liter.
Wir mussten anhalten.
Unter Winterbedingungen stellt stehendes Wasser in einem Rohr ein ernsthaftes Risiko dar. Lässt man es zu lange stehen, gefriert es – schnell. Deshalb schlossen wir unseren 5-m³-Kompressor an und betrieben ihn mit niedrigem Druck, gerade so viel, dass das Wasser in Bewegung blieb.
Nach etwa 1,5 Stunden kam das Spülfahrzeug zurück.
Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits einen Teil des Wassers mit Luft herausgedrückt, sodass es eine Weile dauerte, den Kanal wieder zu füllen und den Druck zu stabilisieren. Doch schließlich pendelte sich das System ein – und das Kabel begann sich wieder zu bewegen.
Wieder.
Bei 3.900 Metern erreichte das Kabel sein Ziel. Auftrag erledigt.
Das Spleißen des neuen Kabels begann sofort. Das beschädigte Kabel wird später entfernt – dieser Teil kann bis zum Frühling warten 😉
Wenn Sie im Winter Kabel floaten möchten, sind einige Dinge wirklich entscheidend:
Winterinstallationen sind nie bequem. Aber mit dem richtigen Setup, der richtigen Methode und etwas Geduld sind sie absolut machbar.
Und manchmal müssen sie einfach gemacht werden.